Coronakrise + Kündigung kurz vor der Rente: Abfindung schlau einsetzen und Rentenkürzungen abmindern

Zahlreiche Arbeitnehmer haben auf Grund der Corona Krise bereits die Kündigung erhalten. Für den Fall, dass ein gekündigter Arbeitnehmer sich überlegt, vorzeitig in Rente zu gehen und eine Abfindung wegen der Auflösung seines Dienstverhältnisses bekommt, kann die Abfindung steuerlich clever eingesetzt werden.

Abfindung zum Ausgleich von Rentenkürzungen einsetzen
Arbeitnehmer, die sich dazu entschieden haben, kurz vor Erreichen der Regelaltersgrenze in den Ruhestand zu gehen, müssen in der Regel Kürzungen der Rente in Kauf nehmen.
Wenn der Arbeitnehmer auf Grund der Beendigung seines Dienstverhältnisses durch seinen Arbeitgeber eine Abfindung erhält, hat er folgende Möglichkeiten zur Milderung seiner Rentenkürzungen:

  • Version 1 Beitragszahlungen durch Arbeitnehmer:
    Er versteuert seine Abfindung nach der Fünftelmethode, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind. Er leistet nach § 187a SGB VI Beitragszahlungen, die er bis zu bestimmten Höchstbeträgen nach § 10 Abs.1 Nr. 2a EStG als Sonderausgabe geltend machen kann.
  • Version 2 Verwendung der Abfindung
    Zahlt der Arbeitgeber einen Teil der Abfindung an die Deutsche Rentenversicherung zur Reduzierung der Rentenkürzung, bleibt die Hälfte des Ausgleichsbetrags zur Verhinderung der Rentenkürzung nach § 3 Nr. 28 EStG steuerfrei. Für den Restbetrag, der dem Arbeitnehmer als Abfindung zufließt, kann der Arbeitnehmer die ermäßigte Besteuerung beantragen.

Steuerliche Besonderheiten zu Version 2
Um von Version 2 steuerlich profitieren zu können, muss der Arbeitnehmer bei der Deutschen Rentenversicherung eine Auskunft beantragen, wie hoch seine Rentenlücke ist und wie hoch die Beträge sein müssen, die er aufwenden muss, um ohne Rentenkürzungen vorzeitig in Rente gehen zu können.

Achtung: Steuerfrei nach § 3 Nr. 28 EStG bleiben bis zu 50 % der von der Deutschen Rentenversicherung mitgeteilten Ausgleichsbetrags (siehe auch BFH 17.5.2017, X R 10/15).
Überweist der Arbeitgeber mehr als 50 % des Ausgleichsbetrags aus der vereinbarten Abfindung an die Deutsche Rentenversicherung zum Ausgleich der Rentenkürzung, handelt es sich bei dem übersteigenden Betrag um eine Entschädigungszahlung nach § 24 Nr. 1 EStG. Bei Vorliegen der Voraussetzungen kann dafür eine ermäßigte Besteuerung nach der Fünftelmethode in der Steuererklärung beantragt werden

Achtung: Zur sozialversicherungsrechtliche Beurteilung vgl. die „Besprechung des GKV-Spitzenverbandes, der Deutschen Rentenversicherung Bund und der Bundesagentur für Arbeit über Fragen des gemeinsamen Beitragseinzugs“ am 21.11.18

(Quelle: BfD-Fachinformationsdienst/IWW)

08.09.2020 Renate Pingel, Steuerberaterin